In diesem Schuljahr startet die Geschwister-Scholl-Gesamtschule ein
Projekt zur Spurensuche in der europäischen Geschichte (1943 bis 1945).
Sie arbeitet zusammen mit Gymnasien aus Bozen/Italien und
Dornbirn/Österreich. Der Zeitzeuge Vittore Bocchetta war jetzt in der
Geschwister-Scholl-Gesamtschule zu Gast, Historikerin Ingrid Schäfer hatte
den Kontakt hergestellt.
Vittore Bocchetta, 1918 geboren, berichtete den Schülern des 13.
Jahrgangs von seinem bewegten Leben. Er geriet als junger
freiheitsliebender Student in Verona in Gegensatz zum faschistischen
Regime Mussolinis. Bocchetta: "Ein einfaches Erlebnis machte mich zum
Antifaschisten. Bei den 20-Uhr-Nachrichten im Radio bin ich in einer
Gaststätte nicht aufgestanden und deswegen von zwei angetrunkenen
Männern in italienischer Uniform geohrfeigt worden. Es entwickelte sich
ein riesiger Tumult. Das war der erste Schritt zum Antifaschisten." So
kam er zum Widerstand gegen Mussolini und später gegen die deutsche
Wehrmacht, die im September 1943 Italien besetzte.
Bocchettas Weg in die Deportation begann. Über Bozen wurden er und seine
Mitkämpfer 1944 nach Deutschland in das KZ Flossenbürg und das
Außenlager Hersbruck (Bayern) eingeliefert. Anschaulich berichtete der
Italiener über die Sklavenarbeit in der Rüstungsproduktion und seine
Flucht im April 1945. Ausführlich schreibt er über diesen
Lebensabschnitt in seinem Buch "Jene fünf verdammten Jahre", das 2003 in
deutscher Sprache erschien.
Dank der Übersetzung durch Andreas Mickel von der Deutsch-Italienischen
Gesellschaft gab es keine Sprachprobleme bei der Veranstaltung.
Bocchetta ist noch einige Tage Gast bei Sigrid und Karl-Heinz Schäfer.
Nach Auskunft von Karl Schaper, dem Oberstufenleiter, wird das Schicksal
der so genannten "Militärinternierten" nächstes Thema sein. Sie waren
italienische Soldaten, die 1943 nach dem Sturz Mussolinis zu
Kriegsgefangenen besonderer Art wurden und in Ostwestfalen arbeiteten.
Das Projekt wird von der Europäischen Union durchs Comenius-Programm
unterstützt.