Erasmus+ macht’s möglich: Besuch bei der Firma Delignit in Blomberg

Eine gute Note in „Sport“ hilft bei der Bewerbung

Das hatten die 18 Schülerinnen und Schüler des Berufsvorbereitungs-Kurses von Birgit Wirth nicht erwartet: Ein großer Lagerplatz mit Baumstämmen, die von einem Kran in Dämpfgruben gelassen werden, damit das Holz feucht wird, um leichter verarbeitet werden zu können. Später wird es wieder in großen Maschinen getrocknet und bearbeitet. Sie konnten große Hallen mit riesigen Maschinen bestaunen, die Baumstämme in Sekundenschnelle zu Spanplatten schälen, Furnierholz herstellen und Bretter in unterschiedlichen Größen und Dicken zusammenkleben und pressen – viele Arbeitsschritte und Maschinengänge sind notwendig, um Holzplatten herzustellen, die durch bestimmte Verfahren besonders widerstandsfähig werden. Aussparungen, die in diese Platten gesägt werden und dann zum Beispiel als Laderaumböden für Lieferwagen oder Bodenplatten für PKW dienen. Fertige Stapel füllen Teile der Hallen, um überall in die Welt exportiert zu werden: nach Japan, China, Amerika, aber auch ins europäische Ausland. Dass diese Produkte überwiegend aus Buchenholz hergestellt werden und von der Automobil-, Luftfahrt- und Schienenverkehrsindustrie eingesetzt werden, hat alle überrascht. Wer denkt schon, dass für den Innenraum eines Autos, eines Zuges oder Flugzeugs Holz verarbeitet wird? Und eine Besonderheit gab es noch zu bewundern: Delignit ist Deutschlands einziger Hersteller von Barrenholmen für den Sportunterricht.

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Bevor es zur Führung in den Betrieb ging, mussten alle Warnwesten und Arbeitsschuhe anziehen

 

Die Betriebsführung bei der Blomberger Holzindustrie hat allen einen konkreten Eindruck davon vermittelt, wie Arbeitsplätze von Fachlageristen, Holzbearbeitungsmechanikern, Fachkräften für Lagerlogistik und Maschinen- und Anlagenführern aussehen. Sie konnten erleben, welche Handgriffe von einzelnen Arbeitern gemacht werden, welche Maschinen bedient werden und darüber hinaus noch ganz andere Eindrücke gewinnen. Dazu gehören Gerüche von Holz und Kleber, aber auch der Lärm, der von den Maschinen verursacht wird – ein Grund, warum die Arbeiter einen Hörschutz tragen.

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Frau Gottesbüren informierte zusammen mit einer ehemaligen Auszubildenden über Ausbildungsbereiche bei Delignit

Birgit Wirth, die den Kurs des Jahrgangs 8 leitet, hatte alle sehr gut auf diesen Besuch vorbereitet. So hatten sich alle Kursteilnehmer vorher schon mit diesen Berufen beschäftigt und sich kundig gemacht, welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Schulabschlüsse für die vorgestellten Berufe notwendig sind. Im Anschluss an die Führung standen Kurt Hünig und Anja Gottesbüren von der Firma Delignit zur Verfügung, um alle weiteren Fragen zu beantworten. So ließen sich die Schüler erklären, welche Tätigkeiten ein Fachlagerist ausführt, dass der Arbeitstag 7,6 Stunden lang ist und dass Delignit in all diesen Berufen ausbildet. Die Auszubildenden bekommen ein Entgelt, das sich an den Tarifen orientiert. Auf die Antwort nach den Fragen zu den Fähigkeiten, die man besitzen sollte, und welche Schulfächer besonders wichtig seien, um sich auf eine Stelle zu bewerben, schauten alle ganz schön erstaunt. Die Antwort „Sport“ hätte nämlich niemand erwartet. Und doch zeigt die Note in diesem Fach etwas, was man an den Noten in den ebenso wichtigen Fächern wie Mathe und Englisch nicht erkennt: Durchhaltevermögen, Ausdauer, Teamfähigkeit und Fitness. Alles Voraussetzungen, die nicht nur in diesen Berufen von großer Wichtigkeit sind.

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Wie man sieht, waren alle bestens vorbereitet, um Fragen zu stellen und sich Notizen zu machen

 

Neben dieser Information wurden den Schülerinnen und Schülern noch weitere wichtige Tipps mit auf den Weg gegeben , die sie nun auch für ihre erste Bewerbung berücksichtigen wollen. Dazu gehört eine bestimmte Körperhaltung. Kurt Hünig sagte: „Wäre dies ein Bewerbungsgespräch, dann würde heute, so wie ihr da sitzt, keiner von euch eine Ausbildungsstelle bekommen.“ Mit anderen Worten: Mehr Körperspannung und aufrecht sitzen statt sich entspannt im Stuhl zurückzulehnen. Außerdem riet er allen, Bewerbungsgespräche zu üben. Niemand könne das richtig, ohne es immer wieder ausprobiert zu haben.

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Zum Abschluss gab es noch ein Gruppenfoto mit Frau Wirth und Frau Gottesbüren vor dem Eingang der Firma Delignit

 

Ermöglicht wurde dieser sehr aufschlussreiche Tag durch das Erasmus+-Projekt zum Thema Wald, ein Projekt, das mit der finnischen Partnerschule Mertala jetzt im zweiten Jahr durchgeführt wird. Dieses europäische Bildungsprogramm unterstützt die beiden Schulen in ihrem diesjährigen Vorhaben, nämlich der Auseinandersetzung mit dem Schwerpunkt Wald als Wirtschaftsfaktor und Berufsfelder in der Holz be- und verarbeitenden Industrie.

Artikel von Maria Hüllmann-Passeick

Allgemein, Kultur

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