Orientieren im finnischen Wald – Beginn des dritten „Erasmus+-Projektjahres“

Kaum zu glauben, aber es geht: Elf deutsche und zehn finnische Schülerinnen und Schüler verzichteten zwei Tage – nicht ganz freiwillig – auf ihre Handys, um stattdessen in aller Ruhe durch den finnischen Wald zu wandern. Sie suchten Preiselbeeren und Blaubeeren, staunten über die Menge der vielen Pilzarten, versuchten Bäume und Waldtypen zu bestimmen und suchten mit Hilfe von Orientierungskarten markierte Plätze. Dabei kamen sie an Grillplätzen und Unterständen zum Übernachten vorbei, die nach dem finnischen Jedermannsrecht allen zur Verfügung stehen, der Erholung im Wald sucht. Abends wurden Zelte aufgebaut, in denen sie die Nacht verbrachten. Doch vor dem Zubettgehen ging es noch, ganz typisch für Finnland, in die Sauna, die von den meisten mit Begeisterung genutzt wurde, und zum Abkühlen sprangen sie in den See. Viel Spaß hatten danach alle bei Spielen am Lagerfeuer. Ein einmaliges und nachhaltiges Erlebnis, das den Jugendlichen Natur und Wald näherbrachte.

Stimmungsvolle Atmosphäre beim Lagerfeuer nach einem intensiven Tag – ohne Handys – im Wald. Sie sollten Bäume bestimmen und Blaubeeren und Preiselbeeren suchen.

Stimmungsvolle Atmosphäre beim Lagerfeuer nach einem intensiven Tag – ohne Handys – im Wald. Sie sollten Bäume bestimmen und Blaubeeren und Preiselbeeren suchen.

Doch dies war nur eine Aktivität der Woche, die jetzt in Savonlinna, Finnland stattfand. Denn seit drei Jahren arbeiten die Schülerinnen und Schüler der beiden Partnerschulen, der Mertala Gesamtschule und der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Detmold, miteinander in dem Erasmus+-Projekt zum Thema Wald. Dieses Projekt wird mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert, denn hinter dem Begriff „Erasmus+“ verbirgt sich das europäische Bildungsprogramm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport. Bei dem Schwerpunkt des dritten Jahres geht es um das Ökosystem Wald, seine Funktion als Lebensraum für Pflanzen und Tiere sowie seine Bedeutung für unser Klima. Die Unterschiede zwischen den finnischen und deutschen Wäldern werden sowohl in AG-Stunden als auch im Unterricht herausgearbeitet und an ihnen werden die Besonderheiten der unterschiedlichen Klimazonen aufgezeigt.

Einen Eindruck von der Vielzahl diverser Baumarten erhielten die Schülerinnen und Schüler beim Besuch des Arboretums, das in den 1930ern in der Punkaharju Gegend angelegt wurde. Ziel war und ist es, so viele Arten von Nadel- und Laubbäumen anzupflanzen, wie sie in dieser Gegend wachsen. Zu sehen gibt es dort 55 verschiedene Nadel- und 40 Laubbaumarten aus vergleichbaren nördlichen Klimazonen, von denen nur die auffälligsten und häufigsten gezeigt werden konnten. Auffällige Wuchsformen, am Stamm wachsende Zapfen oder andere Merkmale wie auf den Ästen wachsende Flechten als positive Indikatoren für die Reinheit der Luft und Gesundheit der Bäume wurden mit iPads fotographisch festgehalten für die spätere Dokumentation der Arbeit.

Bevor alle Ergebnisse dieser Woche, die auf iPads festgehalten worden waren, in der Schule zu Powerpoints zusammengefasst und in den Sprachen Englisch, Finnisch und Deutsch übersetzt wurden, lernten sie in der Schulküche eine finnische Spezialität herzustellen: Carelian Pies oder Piroggen mit Eibutter. Zusammen mit Früchte-Quark als Nachtisch ergab dies eine leckere Mahlzeit, die gemeinsam genossen wurde. So gestärkt ging es zum traditionellem Kirchbootrudern, das einmal um die Burg Olavinlinna und zurückführte.

Da alle Detmolder in Gastfamilien untergebracht waren, erfuhren sie nicht nur bei den Aktivitäten mit ihren Partnern, sondern auch in den Familien viel über finnische Kultur und Lebensweise. Dabei haben sie ständig Englisch gesprochen und erfahren, wie wichtig es ist, eine gemeinsame Sprache zu beherrschen, um sich zu verständigen. Der Abschied viel schwer, denn die Gastfreundschaft der finnischen Freunde und die vielen spannenden Programmpunkte ließen alle eine wunderbare Woche erleben. Nächstes Jahr im Mai steht der Gegenbesuch an. Dann wird die Savonlinner in Detmolder Familien aufgenommen und auf Exkursionen wird ihnen der Teutoburger Wald nahegebracht zum Verdeutlichen der Wälder in mitteleuropäischen Klimazonen.

Foto und Text: M. Hüllmann-Passeick

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