Erasmus+-Projekt: „Der Wald ist unsere Lebensquelle“

Erasmus+-Projekt: Förster erklärt der 7e, womit der Wald zu kämpfen hat

Die Klasse 7e beschäftigt sich schon eine ganze Weile mit dem Ökosystem Wald im Biologieunterricht. Das haben sie aber nicht nur in der Klasse und mit ihren Büchern gemacht, sondern sie sind im Rahmen des Erasmus+-Projektes mit ihrer Klassenlehrerin Nicola Isenberg schon auf einigen Exkursionen im Wald unterwegs gewesen. So auch dieses Mal. Und dieses Mal ging es um das Thema  „Schäden im Wald“. Förster Frank Sundermann vom Landesverband Lippe empfing sie am Leistruper Wald und hat ihnen an unterschiedlichen Stellen gezeigt und erzählt, mit welchen Arten von Schäden der Wald zu kämpfen hat.

Ganz aktuell kann man überall in den lippischen Wäldern sogenannten Windwurf sehen. Das sind die entwurzelten und umgefallenen Bäume, die die Stürme „Friederike“ (2018) und „Eberhard“ (2019) verursacht haben.

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Überall im Wald liegen umgestürzte und entwurzelte Bäume – ein inzwischen schon normal gewordener Anblick in unseren Wäldern

Die Bäume waren in diesem Jahr extrem geschwächt von der lang anhaltenden Trockenheit des letzten Sommers, die dazu geführt hat, dass der Boden bis auf 2,5 Meter Tiefe ausgetrocknet ist. Was das für die Bäume bedeutet, kann man sich lebhaft vorstellen. Das Schlimme daran ist, dass die gefühlt fürchterlich langen Regentage der letzten Wochen nicht viel gebracht haben. Sie haben den Boden nur zu ca. 30 bis 50 cm durchnässt, darunter ist immer noch alles trocken. Und das kann für unseren Wald bedrohlich werden, so bedrohlich, dass wir vielleicht bald nicht mehr die Wälder haben werden, wie wir sie kennen, sagte Frank Sundermann. Ein weiteres Problem sind die Borkenkäfer, die sich in dem trockenen Sommer rasant vermehrt haben und sehr viele Bäume geschädigt haben. Viele von ihnen sind gefällt worden, weil man hofft, dass man sie zumindest etwas unter Kontrolle bekommt, um eine Verbreitung und weiteren Schaden zu vermeiden.

An dieser Tanne sieht man, wie der Wassermangel letzten Sommer zum Vertrocknen der Spitze geführt hat. Ob der Baum sich wieder erholen kann, muss man abwarten.

An dieser Tanne sieht man, wie der Wassermangel letzten Sommer zum Vertrocknen der Spitze geführt hat. Ob der Baum sich wieder erholen kann, muss man abwarten.

Da durch die Stürme mehr Bäume gefällt werden mussten, als man es normalerweise gemacht hätte, gibt es zurzeit ein Überangebot an Holz auf dem Markt und die Preise sind in den Keller gerutscht. Das wiederum hat negative Auswirkungen auf alle diejenigen, die von der Waldwirtschaft leben. Auch der Landesverband ist davon betroffen. So wurde lippisches Holz bis nach China verkauft, was zu einer negativen Ökobilanz führt, weil es mit Schiffen dorthin transportiert werden muss. Da es aber insgesamt zu wenig Holz für die Bedürfnisse aller Menschen auf der Welt gibt, herrscht ein knallharter Wettbewerb auf dem Markt. Einen kleinen Ökobilanz-Ausgleich schaffen dazu die Holztransporte nach Bayern oder Österreich. Auf Rungenwagen werden die Holzstämme mit der Bahn direkt bis zu den Werken gefahren.

Immer wieder stellt Frank Sundermann in seinen Ausführungen den Zusammenhang her zur Bedeutung der Wälder als Sauerstofflieferanten, als Lebensraum für unendlich viele Tierarten und Pflanzen, den Erholungswert für uns Menschen und der Biospähre der ganzen Erde. „Wenn die Wälder kaputt sind, dann ist alles kaputt.“ Eindringlich appellierte er an die Schülerinnen und Schüler, Berufe zu ergreifen, in denen man sanft und verantwortlich mit der Welt umgeht. Sie seien die zukünftige Generation, die Verantwortung für den Schutz und den Erhalt unseres Lebensraumes übernehmen müssen.

Auf dem weiteren Weg erfuhren die Schülerinnen und Schüler noch viele andere Dinge über den Wald, z.B. dass der Landesverband keine reinen Fichtenwälder mehr aufforstet, sondern durch Mischwälder eine ökologische Vielfalt erreichen möchte.

Die menschengemachte Klimaerwärmung ist dabei eine besondere Herausforderung. Sollte es nämlich so weitergehen wie bisher, könnte es bei immer geringer werdenden Waldflächen zu arktischen Temperaturen von -30° Celsius in unseren Breitengraden kommen. Mit dem Anpflanzen von nicht heimischen Bäumen wie der Douglasie u.a. versucht man, widerstandsfähigere Bäume hier anzusiedeln. Der Landesverband arbeitet hier mit Studierenden der Hochschulen zusammen, die auf Versuchsanbauten beobachten, wie sich die türkische Baumhasel, Platanen und Esskastanien entwickeln. Vielleicht erweisen sie sich als Bäume für die Zukunft.

Eine der drei Versuchsanbauflächen. Sie sind eingezäunt als Schutz gegen Wildverbiss.

Eine der drei Versuchsanbauflächen. Sie sind eingezäunt als Schutz gegen Wildverbiss.

Am Beispiel einer alten Buche erklärte Sundermann, welche Bedeutung dieses Holz in der Vergangenheit und heute hat. Früher wurde Buche nur als Brennholz genutzt, heute dagegen wird es als hochwertiges Holz zu Möbeln, Fußböden, Musikinstrumenten, Buchenfurnier und vielem mehr verarbeitet.

Wie viele Kinder braucht es, um diesen Buchenstamm zu umarmen?

Wie viele Kinder braucht es, um diesen Buchenstamm zu umarmen?

Bäume haben neben Wetter- oder Klimaextremen auch mit weiteren Problemen zu kämpfen. Die Esche wurde von einem ostasiatischen Pilz befallen, der zum Eschentriebsterben führt (Stengelbrecherpilz).  Wegen des globalen Handelns ist dieser Pilz nach Europa gekommen. Die Eschen können sich nicht dagegen wehren, was dazu geführt hat, dass von 100 Eschen im Schnitt eine übrigbleibt und diesen Angriff überlebt. Häufig stehen diese Bäume an Straßenrändern und um die Verkehrssicherheit zu garantieren, müssen sie gefällt werden.

Dieser Bericht kann nur einen Bruchteil dessen wiedergeben, was die 7e auf dieser Exkursion alles erfahren und gelernt hat. Sie dankte Frank Sundermann ganz herzlich für die spannende Führung durch verschiedene Bereiche des Leistruper Waldes und die vielen interessanten Geschichten und Informationen.

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Text und Fotos: M. Hüllmann-Passeick

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