Geschwister-Scholl-Gesamtschule Detmold – Das Wahlergebnis der Juniorwahl zur Bundestagswahl 2021

Wahlbeteiligung: 61,82 % (340 von 550 Stimmen)

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Juniorwahl an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule durchgeführt

Geringe Wahlbeteiligung und zersplitterte Parteienlandschaft

Eine erste Analyse von Reinhard Schiffer

Das Auswärtige Amt kritisiert Wahlrechtsverstöße, Mangel an echtem demokratischen Wettbewerb und erhebliche Einschränkungen bei der Presse-Meinungs- und Versammlungsfreiheit in Aserbaidschan. Über die politischen Zustände in Syrien muss man in diesem Zusammenhang erst gar nicht diskutieren.

Dass Aygün, gebürtig in Aserbaidschan und Hussein, gebürtig in Syrien, trotz ihres Alters von 16 Jahren und ihrer fehlenden deutschen Staatsbürgerschaft an der Bundestagswahl teilnehmen durften, ist kein Versehen. Bereits zum zweiten Mal fand an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule eine Juniorwahl statt. Zur Wahl waren 550 Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 bis 13 aufgerufen. Die Juniorwahl simuliert dabei die reale Wahl, indem es Wahlbenachrichtigungen gibt, ein Wahllokal mit Wahlurnen, einem Wählerverzeichnis und Wahlkabinen, einen Wahlvorstand und einen dem echten Wahlzettel nachempfundenen Juniorwahlzettel. Da beispielsweise der Jahrgang 10 sich zum Wahlzeitpunkt im Praktikum befand, wurde alternativ zum Wahlgang im Wahllokal sogar die Möglichkeit der Briefwahl angeboten.

Nach der Stimmenauszählung durch die Klasse 9P wurde das Ergebnis an die Juniorwahlzentrale übermittelt.

Waren die Grünen bei der vergangenen Juniorwahl noch eindeutig die Wahlsieger, sehen die Ergebnisse bei der Junior-Bundestagswahl 2021 an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule vollkommen anders aus.

Offensichtlich zieht das Thema Umwelt- und Klimaschutz deutlich weniger, als noch vor 2 Jahren bei der Europawahl. Trotz der Hochwasserkatastrophe in der Eifel und des Fichtensterbens waren es wohl eher die Sorgen um die zunehmenden sozialen Ungleichheiten und das Thema Corona, die das Wahlergebnis beeinflusst haben mögen.

So geht die SPD mit 18,3% der Zweitstimmen als knapper Sieger aus der Wahl hervor, ganz überraschend gefolgt von der FDP (17%) und der CDU (16,5%).

Die FDP mag sich bei vielen jungen Menschen als eine Freiheits-Partei profiliert haben, die kritisch die Maßnahmen der Corona-Politik hinterfragt hat und unter denen besonders junge Menschen sehr gelitten haben.

Wie bereits bei der zurückliegenden Juniorwahl liegt die Linke mit 13,4% der Zweitstimmen erneut weit über dem Bundesdurchschnitt. Grund dafür mag der Wunsch nach einem starken Sozialstaat sein und einer gerechteren Umverteilung des Reichtums von oben nach unten. Die Grünen hingegen liegen mit der AFD gleichauf. Beide Parteien erreichten 8,5%.

Die Klimadebatte war offensichtlich nicht das entscheidende Thema bei dieser Juniorwahl an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule. Möglicherweise spüren viele junge Menschen intuitiv, dass Klimaschutz ohne Konsumverzicht und einem Umbau der Wirtschaft mit unklaren Folgen für Einkommen und Arbeitsplätze und persönliche finanzielle Belastungen nicht zu schaffen ist. Für Menschen, die gut verdienen, ein großes Auto fahren und schon ihre 15 bis 20 Flugreisen im Leben hinter sich haben, ist zukünftiger Verzicht möglicherweise leichter zu fordern. Junge Menschen stehen aber erst am Beginn ihres Lebens und nicht wenige wollen später gut bezahlte Arbeit haben und sich etwas leisten können, also auch zügellos konsumieren.

Mit 7,3% wäre auch die Partei in den Bundestag eingezogen. Hier haben der erfrischende Wahlkampf, die teils lustigen, teils provokanten Wahlplakate ihre Wirkung erzielt.

Insgesamt macht das Ergebnis aber auch deutlich, dass es auch bei den Schülerinnen und Schülern derzeit keinen politischen Mainstream gibt. Und die Grünen sind schon lange nicht mehr die Partei, die automatisch von jungen Menschen gewählt wird. Eine gewisse Verunsicherung und Fragmentierung der Gesellschaft wird an der Zersplitterung des Wahlergebnisses deutlich.

Die Wahlbeteiligung von knapp 62% war insbesondere für eine Juniorwahl sehr gering und lässt sich nur zu Teilen auf die weniger gut angenommene Briefwahl zurückführen. Die Hintergründe der geringen Wahlbeteiligung sind vielfältig und auch an anderer Stelle zu suchen. Und genau dies ist der Grund, weshalb an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule dieses Projekt im Kollegium besonders geschätzt wird.

Ziel der Juniorwahl ist es grundsätzlich, das Thema der demokratischen Wahlen im Unterricht vertiefend zu behandeln und die Schülerinnen und Schüler für die Teilnahme an zukünftigen Wahlen zu motivieren.

Insbesondere in Elternhäusern mit Migrationshintergrund, in denen die Eltern häufig nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen und auch in bildungsferneren, einkommensschwächeren Haushalten, kann gar nicht bzw. wird seltener gewählt. In einer zunehmend durch Zuwanderung geprägten Gesellschaft ist es aber gerade besonders wichtig, junge Menschen im Sinne einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft auf Grundlage der Grundrechte zu politisieren.

Und ebenso die Kinder aus bildungsferneren oder einkommensschwächeren Haushalten sollten den Wert der demokratischen Beteiligung kennenlernen und die Diskussion über Politik in die Elternhäuser tragen. Dass genau dieses geschieht, erleben wir im Unterricht, wenn Schülerinnen und Schüler darüber berichten, dass ihre Eltern gar nicht wählen, bestimmte Parteien ablehnen oder manchen politischen Forderungen zustimmen oder diese ablehnen.

Die Juniorwahl macht Politik und politische Prozesse für Jugendliche erlebbar und trägt dazu bei, Jungwählerinnen und -wähler zu mobilisieren.

Bei der letzten Bundestagswahl 2017 lag die Wahlbeteiligung der Wahlberechtigten bis 29 Jahre unter 70%, während die gesamte Wahlbeteiligung bei 76% lag. Einer Theorie zufolge werden junge Menschen, die mehrmals von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, auch später zuverlässige Wählerinnen und Wähler bleiben, die hoffentlich gegenüber politischen Populisten und Extremisten jeglicher Couleur immun sind.

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