Gemeinsamer Unterricht in Integrativen Lerngruppen
Die Leitidee der Geschwister-Scholl-Schule „Gemeinsam lernen für eine gemeinsame Zukunft“ setzt voraus, die Heterogenität unserer Gesellschaft auch in der Zusammensetzung unserer Schülerschaft abgebildet zu sehen.
Im Gemeinsamen Unterricht nimmt diese Leitvorstellung konkrete Gestalt an und wird von allen Beteiligten direkt und als Wert erlebt.
Seit Beginn des Schuljahres 1994/95 gibt es an der Geschwister-Scholl-Schule pro Jahrgang eine Integrative Lerngruppe. Sechs Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen sonderpädagogischen Förderschwerpunkten werden mit weiteren zwanzig Schülerinnen und Schülern gemeinsam unterrichtet. Da der Bedarf an Integrativen Lerngruppen in der Kommune stieg, wurde das Profil ab dem Schuljahr 2006/07 erweitert, so dass nun in jedem Jahrgang zwei Integrative Lerngruppen eingerichtet werden. Die Schülerinnen und Schüler einer Integrationsklasse können alle Abschlüsse der Sekundarstufe I erlangen. Die Schülerinnen und Schüler mit den Förderschwerpunkten Lernen und Geistige Entwicklung erhalten die Schulabschlüsse ihrer Bildungsgänge.
Die Klassenleitung der Integrativen Lerngruppen wird jeweils von einer (oder zwei) Gesamtschul- und einer sonderpädagogischen Lehrkraft in gemeinschaftlicher Verantwortung wahrgenommen. Um dem Forder- und Förderbedarf aller Kinder und Jugendlicher gerecht werden zu können, legen wir großen Wert auf das Prinzip der Doppelbesetzung, d.h. in der Orientierungsstufe wird in nahezu allen Stunden der Unterricht von zwei Lehrerkräften gemeinsam durchgeführt. In den Klassen 7 – 10 richtet sich das Maß der Doppelbesetzung nach den Bedürfnissen der Lerngruppen; es sollten jedoch zumindest zwei Drittel der Unterrichtsstunden doppelt besetzt sein. So wird die Voraussetzung geschaffen, sich auf alle Schülerinnen und Schüler einzustellen und sie möglichst individuell zu fördern. Für die Schülerinnen und Schüler mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf stellen Individuelle Förderpläne die Grundlage des Unterrichts dar. Einher mit der regelmäßigen Evaluation dieser Förderpläne geht auch die Überprüfung des Förderbedarfs am Ende eines jeden Schuljahres.
Grundsätzliches Ziel des Gemeinsamen Unterrichts in allen Fächern ist es, möglichst oft themengleiche Unterrichtsinhalte anzubieten, die dann auf unterschiedlichen Lernniveaus bearbeitet werden. Dabei spielt das Prinzip der Binnendifferenzierung die entscheidende Rolle. Voraussetzungen dafür sind kompetenzorientierte Lehrpläne, eine funktionierende Teamarbeit und enge Absprachen zwischen den Lehrkräften der allgemeinen Schule und den sonderpädagogischen Lehrkräften. Im weiteren Verlauf der Sekundarstufe I dienen auch Formen der äußeren Differenzierung dazu, den unterschiedlichen Erfahrungsebenen der Jugendlichen gerecht zu werden. Zur fortlaufenden Qualifizierung der beteiligten Lehrkräfte sind fest installierte Fortbildungsmaßnahmen unumgänglich. Dazu gehören eine Einweisung der Teammitglieder der jeweils neuen Integrativen Lerngruppen des 5. Jahrgangs und die alljährlich stattfindende SCHILF der Klassenleitungen der Integrativen Lerngruppen.
Das Lehrerteam einer Integrativen Lerngruppe wird ergänzt und unterstützt durch eine Erzieherin, die vor allem für die Gestaltung des Ganztags- und Freizeitbereichs verantwortlich ist.
Jede Integrative Lerngruppe kann über einen zusätzlichen Gruppenraum verfügen, der für die im Sinne individueller Förderung notwendige Kleingruppenarbeit genutzt wird. In der Mittagspause steht den Schülerinnen und Schülern ein zentral gelegener Raum zur Verfügung. Hier können sie sich treffen und miteinander Pausenaktivitäten nutzen, die von der Erzieherin angeboten werden. Dieses Angebot wird vor allem von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Förderbedarfen gern als Rückzugs- und Kommunikationsmöglichkeit genutzt.
Angestoßen durch die Erfahrungen der letzten Jahre gibt es inzwischen jahrgangsübergreifende Unterrichtskonzepte, die besonders auf Bedürfnisse der Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf abgestimmt sind. Hier sind u.a. zu nennen:
- Ein „Lebenspraktisches Training“ (LPT) in niveaudifferenzierten und jahrgangsgemischten Gruppen innerhalb und außerhalb der schulischen Erlebniswelt
- Ein „Berufspraktisches Training“ (BPT) im 9./10. Schuljahr mit zusätzlichen betrieblichen Praktika im ersten Halbjahr der 10. Klasse
- Eine Druck-AG (als Projekt mit der Nachahmung betrieblicher Strukturen) im Rahmen des Ergänzungsunterrichts
- Eine Psychomotorikgruppe (z.Z. nicht im Angebot)
- Praxisorientierte Angebote (z.B. Wäschepflege für die Schule)
Regelmäßige Überprüfungen der Lern- und Leistungsentwicklung in den bisherigen Integrativen Lerngruppen haben gezeigt, dass das gemeinsame Lernen in der jetzigen Form und unter den derzeitigen Bedingungen geeignet ist, alle Schülerinnen und Schüler einer Integrativen Lerngruppe individuell angemessen zu fordern und zu fördern, soziales Lernen umzusetzen und Rücksichtnahme und Respekt gegenüber der Unterschiedlichkeit aller Lernenden zu verstärken. Damit wird ein entscheidender Beitrag zur weiteren Entwicklung eines positiven Schulklimas geleistet.
Das gemeinsame Lernen ist aber kein Selbstläufer, sondern erfordert gleichbleibendes Engagement von Elternhaus und Schule. Die Leitideen bilden konzeptionelle Grundlagen gerade der Gesamtschule. Je mehr sich alle Beteiligten den Leitideen des integrativen Unterrichts verpflichtet fühlen, umso intensiver werden die Kinder und Jugendlichen die Schule als ein „Haus des Lebens und Lernens“ erfahren, die Grundlagen schafft für erfolgreiche Lernbiografien und ein soziales Miteinander in einer demokratischen Gesellschaft.
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1. Unsere Schule als Integrationsschule
4. Idee des GU
8. Leistungsbeurteilung / Schulabschlüsse
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